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Wilder Frieden
war der Titel unserer ersten Mann-Frau-Begegnungsgruppe
im Jahr 2000. Seitdem haben wir zusammen mit vielen Menschen, Singles
und Paaren, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Geschlechtern
erforscht, wobei sich für uns eine spezielle Dynamik in der Beziehung
zwischen Mann und Frau widerspiegelt: sie lebt und wächst (mit jeweils
wechselnden Rollen) zwischen dem Streben nach Autonomie und dem nach
Verbindung, zwischen der kämpferischen „wilden“ Seite
und entspanntem, liebevollem Frieden. Der Begriff „Wilder Frieden“ umfasst
zwei gegenläufige, aber aufeinander bezogene Bewegungen und macht
die Quelle und das Ziel unserer Arbeit deutlich.
Wilder Frieden
steht für die Chance eines neuen Selbstbewusstseins
von Männern und Frauen, das seine Kraft nicht aus dem Gegeneinander
der Geschlechter schöpft, sondern aus einer neuen Begegnungskultur,
einer Art „Geschlechterdemokratie“. Die traditionellen Rollenvorgaben
haben in den letzten 30 Jahren an verhaltensbestimmender Macht verloren.
Frauenunterdrückung und Männerverachtung gehören weitgehend
der Vergangenheit an, stattdessen sind für immer mehr Menschen Selbstbestimmtheit
und freie Beziehungsgestaltung möglich. Aber wie wird diese Freiheit
von … zu einer Freiheit zu … genutzt? Da existieren noch
wenig konkrete Vorstellungen! Oft tut sich ein Abgrund an Unsicherheiten
und Ängsten auf, den populärwissenschaftliche Orientierungshilfen
(„Männer kommen vom Mars, Frauen von der Venus“), Leitbilder
der Spaß- und Konsumgesellschaft in Film und Werbung oder gar der
rückwärtsgewandte Blick nach alten Werten (Frauen zurück
an den Herd) bereitwillig füllen.
In unseren Männer- bzw. Frauengruppen wollen
wir hingegen Menschen in ihrer Suche nach einem individuellen, selbstbestimmten
und selbstbewussten
Lebensweg bestärken. Dazu gehört vor allem auch eine beständige
Verbindung mit dem eigenen Selbst, mit allen seinen Facetten und innerem
Reichtum. Nur
im Kontakt mit mir selbst kann ich auf komplexe Herausforderungen flexibel
reagieren
und die vielfältigen
Aufgaben modernen Lebens bewältigen. Der ehrliche Austausch mit
anderen Frauen und Männern, deren Anteilnahme und Rückenstärkung
können diesen Prozess enorm befördern. Manchmal bedarf es zusätzlich
der symbolischen Loslösung von einengenden familiengeschichtlichen
Leitbildern, um eine selbstbestimmte Form von Männlichkeit und Weiblichkeit
zu entwickeln (Familienaufstellungen). Auf
diese Weise in der eigenen Identität gestärkt wird es Mann
wie Frau leichter fallen, dem anderen Geschlecht neu und offener zu begegnen.
Wilder Frieden
beinhaltet auch ein lebendiges, lustvolles Miteinander von Mann und Frau: In der respektvollen Begegnung können Verständnis
und Mitgefühl für die unterschiedlichen Denk-, Fühl- und
Verhaltensweisen entstehen. Dabei
können sich Männer und Frauen gegenseitig unterstützen,
sich als gleichwertig anzuerkennen, ohne die Unterschiede aufzulösen,
die ja gerade den Reiz und die Anziehung zwischen den Geschlechtern ausmachen.
Dies gilt im Besonderen auch für dauerhafte Partnerschaften, für
die allermeisten Menschen immer noch das wichtigste Kriterium für
ein glückliches Leben. Aber auch in der Liebeslandschaft der Paare
hat sich viel verändert: Die Bedeutung von Paarbeziehungen hat sich
von der Schicksals- und Wirtschaftsgemeinschaft verlagert hin zu emotionaler
Erfüllung und dauerhafter Intensität (auch in Erotik und Sexualität).
Dies bringt neben der neuen Verheißung vor allem viel Unsicherheit
mit sich, was denn eine Partnerschaft leisten kann und soll. Statt sich
in diesem schwierigen Findungsprozess mit Respekt und Neugierde zu begegnen
und zu unterstützen, landen viele Paare bei tiefen Missverständnissen
und schmerzhaften Verletzungen bis hin zur Trennung. Oder sie finden
sich mit einer schlechten Beziehungsrealität ab, geben eigene Bedürfnisse
zu Gunsten „fauler“ Kompromisse auf und langweilen sich schließlich
miteinander (auch im Bett). Das verbreitete romantische Liebesideal,
bei dem nur die Richtige/der Richtige gefunden werden muss, um ständig
in Seelenverwandtschaft und „heiligem Eros“ zu schwelgen,
hilft da auch nicht recht weiter!
Mit unseren Angeboten für Paare wollen wir Mann und Frau darin
unterstützen, lebbare Visionen zu entwickeln und alltagswirksame
Kompetenzen zu erwerben, die den Anspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit überbrücken
helfen. So kann eine tiefe Herzensverbindung und aufregender Sex entstehen,
aber auch konstruktives Streiten und Selbstbehauptung geübt werden.
Dazu haben wir ein Modell von romantischen, kämpferischen, pragmatischen
und reifen Phasen der Liebe entwickelt, das Krisen als notwendige Übergänge
und Chance zur Weiterentwicklung versteht. Ein besonderes Anliegen ist
es uns auch, dass Paare sich verstanden und gut aufgehoben fühlen,
die in langjährigen Beziehungen leben und immer wieder vor der Herausforderung
stehen, ihre Liebe ( und Sexualität!) wach zu halten und neu zu
erfinden.
Wilder Frieden
entwickelte sich aus unserer jahrelangen psychotherapeutischen
Erfahrung als ein integrativer Ansatz, in dem sowohl die körperlichen
und emotionalen, wie auch die rationalen und spirituellen Aspekte von
Mann- bzw. Frau-Sein und von Mann-Frau-Beziehungen erfasst und gefördert
werden. Dazu verwenden wir je nach Bedürfnis und Problemschwerpunkt
die verschiedensten Übungen zum körperlichen Wohlbefinden,
zur Sensibilisierung der Sinne und zum kreativen Selbst-Ausdruck, Tanz
und Meditation, tantrische Energiearbeit und Methoden der Sexualtherapie,
spezielle Übungen zum vertieften Mann-Frau-Dialog und tiefenpsychologischer
Beziehungsanalyse sowie systemische Aufstellungen und Familienstellen.
Bei längeren körperlichen und seelischen Krisen, bei einem
unbestimmten Gefühl des Stillstands im Leben und des Nur-noch-funktionierens,
oder auch bei entscheidenden privaten oder beruflichen Wendepunkten im
Leben empfehlen wir die Teilnahme an einer Visionssuche,
einem für
moderne Menschen wiederentdeckten und weiterentwickelten Übergangsritual
zur Sinnsuche und Selbstheilung in freier Natur.
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