Familienaufstellungen, Paaraufstellungen
Aufstellungen zu bestimmten Lebensthemen
mit Dr. Dieter Teschke
Zur Aufstellungsarbeit
Manchmal stellen wir mit Erstaunen oder auch Erschrecken fest, dass wir in bestimmten Situationen immer wieder „gegen jede Vernunft handeln”, „in alte Beziehungsfallen tappen” usw. Manche Menschen werden von unerklärlichen Ängsten beherrscht oder verfallen in depressive Stimmungen, ohne dass es dafür äußere Anlässe gibt. Sicher sind dafür unbewusste seelischen Dynamiken verantwortlich, die sich aus der individuellen Lebensgeschichte heraus entwickelt haben. Aber nicht nur: in meiner 25jährigen psychotherapeutischen Tätigkeit habe ich immer wieder erlebt, dass sich viele seelische und auch körperliche Probleme erst unter Einbeziehung des familiengeschichtlichen Hintergrundes erklären lassen, gar einen Sinn ergeben. Wie schon Freud feststellte, „erben” wir von unseren Vorfahren nicht nur körperliche Merkmale (evtl. auch Krankheiten), sondern auch Einstellungen, Beziehungsmuster und „Aufträge” aus unverarbeiteten oder verdrängten Familienschicksalen, die als „inneres Bild” (wie ein unsichtbares Programm) unser Verhalten, Denken und Fühlen beeinflussen.
Familienaufstellungen
In einer Familienaufstellung wird das innere Bild, das wir von unserer Familie haben, sichtbar gemacht. Dazu wählt der/die Ratsuchende aus der Teilnehmergruppe Stellvertreter/-innen für sich und die Mitglieder seiner/ihrer eigenen (Herkunfts- oder Gegenwarts-) Familie, die dann im Raum aufgestellt werden.
Erstaunlicherweise haben die Stellvertreter/-innen meist ein sehr klares Gefühl dafür, wie die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander waren, ob sie am richtigen Platz stehen, was an Gefühlen unterdrückt wurde oder einfach, dass „etwas nicht stimmt”. Im weiteren Aufstellungsprozess wird erforscht, welche Familienschicksale eine auf Bindung und Liebe beruhende Beziehung untereinander gestört oder blockiert haben und wie der/die Ratsuchende dieser Familiendynamik unbewusst gefolgt ist. Dabei ergeben sich oftmals überraschende und emotional tief bewegende Einsichten, die einen neuen Zugang zu bisher unlösbar erscheinenden Problemen ermöglichen und auch von tief sitzenden Schuld- und Versagensgefühlen entlasten können.
Ziel einer Aufstellung ist es schließlich, durch symbolische Sätze und Umstellen der aufgestellten Familienmitglieder ein neues heilsames Bild zu entwickeln, das – von Verstrickungen und alten Lasten befreit – neue Sicht- und Verhaltensweisen für das weitere Leben ermöglichen.
Eine Familienaufstellung kann eine sinnvolle Ergänzung zu einer laufenden Psychotherapie oder einer Paarberatung sein. Eingeladen sind auch Neugierige, die das Familienstellen als teilnehmende Beobachter kennen lernen wollen. Durch die Möglichkeit, als StellvertreterIn aufgestellt zu werden, werden ebenso eigene tiefe Themen berührt.
Paaraufstellungen
Neben belastenden Ereignissen in der Paarbeziehung selbst können Prägungen und unbewusste Bindungen mit Schicksalen aus den jeweiligen Herkunftsfamilien Ursache vieler Paarkonflikte sein. Die Teilnahme an einer Aufstellung ermöglicht Paaren ein vertieftes Kennenlernen und gegenseitiges Verständnis untereinander und schafft vielfach Einsicht und Entlastung bei chronischen Konflikten („ach, deshalb reagiert er/sie so! Und ich bin nur der Auslöser, nicht aber die Ursache einer kritisierten Verhaltensweise.”). So können durch das gemeinsame intensive Erlebnis und Erkennen der Hintergründe neue Impulse für die Beziehung gesetzt werden.
Problemaufstellungen
Die Aufstellungsarbeit eignet sich auch zur Klärung persönlicher Fragen, z.B. beruflicher Probleme, indem das „Für” und das „Gegen”, die Ressourcen, das Ziel und andere wichtige Faktoren aufgestellt werden, um schließlich zu einer stimmigen Entscheidung zu gelangen.